Streitendes Paar

Partnerschaftskonflikte verstehen: Warum manche Probleme immer wiederkehren

Beziehungskrisen, Dauerstreits, immer wieder aufkeimende Konflikte: Es gibt Beziehungen, die vor unlösbaren Problemen zu stehen scheinen und unklar ist, wie die Partner*innen damit umgehen können. Der einzige Ausweg? Die Trennung. Doch das muss nicht unbedingt die einzige Lösung sein. Laut populären Forschungsergebnissen sind sogar die meisten der Beziehungskonflikte unlösbar. Die Frage ist dann, wie können Paare oder andere Beziehungsmodelle einen entspannteren Umgang damit finden?

Was genau sind eigentlich unlösbare Probleme?

Die Paarforschung beschreibt einen großen Teil der Alltagskonflikte als sogenannte Dauer- oder Grundkonflikte, die mit Persönlichkeit, Werten oder Lebensstil zusammenhängen. Typische Beispiele dafür sind Ordnung im Haushalt, Geld, Nähe und Distanz, Sexualität, Familie oder Erziehung. In solchen Themen helfen oft keine perfekten Argumente, sondern es geht um wiederkehrende Aushandlung, emotionale Sicherheit und klare Regeln für den Umgang damit. In populären Zusammenfassungen wird oft davon gesprochen, dass ganze 69 Prozent der Probleme in Beziehungen als unlösbar gilt. Wobei diese Zahl vor allem als grobe Orientierung aus der Gottman-Tradition zu verstehen ist und nicht als festgesetzter Wert. Wir wollen in der Paartherapie mit folgender Haltung darauf blicken: Unlösbar heißt nicht hoffnungslos, sondern meist nicht endgültig aufhebbar.

Unlösbare Partnerschaftskonflikte im Relationship Problem Solving (RePS) Modell

Einen spannenden Einblick in anhaltenden Krisen und die darunterliegenden psychologischen Mechanismen liefert das Paper von Baker und McNulty aus dem Jahr 2019. Sie entwickelten ein Modell, das beschreiben soll, wie Partner*innen sich gegenseitig bei der Lösungsfindung von Konflikten beeinflussen. Das Paper sagt im Kern: Konfliktmanagement bei Paaren funktioniert am besten als mehrstufiger Prozess aus Problem erkennen, Lösungsstrategie finden, umsetzen und anschließend neu bewerten. Entscheidend ist dabei nicht nur was Partner*innen tun, sondern wann und unter welchen Bedingungen sie es tun.

Wichtige Kernaussagen im Überblick:

  • Beziehungskonflikte sind normal, weil Paare interdependent sind und sich gegenseitig beeinflussen. Das Problem ist daher oft nicht der Konflikt an sich, sondern wie Paare darauf reagieren.
  • Konfliktverhalten wirkt nicht direkt, sondern über innere Prozesse wie Affekt, Selbstwirksamkeit, Wissen, Beziehungsüberzeugungen und Selbstregulation.
  • Dieselbe Strategie kann helfen oder schaden, je nach Kontext – etwa ob ein*e Partner*in schon motiviert ist, ob beide sich über das Problem einig sind und wie viel Macht bzw. Einfluss die Beteiligten haben.
  • Bei unklaren oder schlecht lösbaren Problemen ist es oft sinnvoller, das Problem zu managen statt es vollständig beseitigen zu wollen.
Blume in Hand

Was hilft bei der Klärung?

Hilfreich ist zuerst die Unterscheidung zwischen lösbaren Problemen und Dauerproblemen. Wie schauen wir als Paar auf den Konflikt? Worum geht es hier zunächst rein sachlich gesehen? Lösbare Probleme brauchen konkrete Absprachen. Das kann zum Beispiel etwas Simples sein wie: Wer geht wann morgens ins Bad, ohne dass man sich in die Quere kommt. Dauerprobleme brauchen eher Akzeptanz, gemeinsames Verständnis und regelmäßige Neuverhandlung.

In der Praxis können folgende Schritte hilfreich sein:

  • Den typischen Konfliktzyklus erkennen: Wer zieht sich eher zurück, wer drängt eher nach?
  • Gefühle unter der Oberfläche benennen, also nicht nur Ärger, sondern auch Angst, Verletzung oder Scham ansprechen.
  • Ich-Botschaften und konkrete Wünsche verwenden statt Vorwürfe.
  • Pausen vereinbaren, bevor Streit eskaliert, und das Gespräch verbindlich später fortsetzen.
  • Alltagsrituale pflegen, die Nähe stabilisieren, etwa feste gemeinsame Zeiten.
  • Versuchen, den größten gemeinsamen Nutzen einer Lösung zu finden, ohne dabei Partner*innen „umdrehen“ zu müssen.

Für die unlösbaren Themen ist die wichtigste Konsequenz, sich nicht auf vollständige Einigung zu versteifen, sondern auf diese drei Dinge zu konzentrieren: 1) das Problem gemeinsam wirklich korrekt verstehen, 2) die emotionalen Kosten senken und 3) eine tragfähige Umgangsform aushandeln.

Bei unlösbaren Konflikten ist es meist hilfreich, die Differenz offen zu benennen, statt sie wegzudiskutieren. Es geht nicht darum wer recht hat, sondern um „Was brauchen wir jeweils?“ Lösungen werden vorerst als ein Experiment behandelt, überprüft und wieder angepasst bei Unstimmigkeiten. Paare müssen Akzeptanz lernen: Manchmal ist das Ziel nicht Lösung, sondern bessere Koexistenz.

In den Studien von Kieslich und Steins zeigt sich, dass Problemklärung in langjährigen Paaren dann besser gelingt, wenn Paare nicht nur über Inhalte sprechen, sondern auch emotionale Sicherheit, Selbstöffnung und Perspektivwechsel aufbauen. Eine Problemklärung wurde möglich, wenn beide Partner*innen ihre Gedanken und Gefühle gegenseitig offenlegten und sich die Perspektive der*des anderen besser erschlossen. Dazu ist ein sicherer Rahmen nötig, den zum Beispiel auch Paartherapie herstellen kann. Hier gibt es den Raum dafür, sich gegenseitig zu fragen: Was müssen wir wirklich lösen, und was müssen wir eher aushalten?

Quellen