{"id":647,"date":"2026-08-04T10:26:30","date_gmt":"2026-08-04T08:26:30","guid":{"rendered":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/?p=647"},"modified":"2026-08-04T10:28:42","modified_gmt":"2026-08-04T08:28:42","slug":"bringt-eine-paartherapie-etwas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/bringt-eine-paartherapie-etwas\/","title":{"rendered":"Bringt eine Paartherapie etwas?"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Das sagen die neuesten Studien zur Wirksamkeit von Paartherapie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBringt Paartherapie was?&#8220; geh\u00f6rt zu den S\u00e4tzen, mit denen die meisten Menschen bei Google nach Antworten suchen, bevor sie sich f\u00fcr oder gegen eine Paarberatung entscheiden. In einem <a href=\"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/hilft-paartherapie-wirklich-das-sagen-studien\/\" data-type=\"post\" data-id=\"37\">fr\u00fcheren Artikel<\/a> habe ich diese Frage bereits anhand von einigen Studien zwischen 1999 und 2020 beantwortet. Seitdem ist neue, robustere Forschung erschienen. Sie best\u00e4tigt das alte Bild nicht nur, sie sch\u00e4rft es mit konkreteren Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Die kurze Antwort<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ja, Paartherapie wirkt, statistisch gesehen sogar sehr zuverl\u00e4ssig.<\/strong> Laut einer der aktuellsten \u00dcbersichtsarbeiten zum Forschungsstand, mit dem Titel &#8222;Couple therapy in the 2020s&#8220;, geht die durchschnittliche Person aus einer Paartherapie besser heraus als 70 bis 80 Prozent der Menschen, die keine Behandlung erhalten haben. Diese Verbesserungsrate ist vergleichbar mit den wirksamsten Verfahren der Einzelpsychotherapie und \u00fcbertrifft sie teilweise sogar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Konkrete Zahlen aus der neuesten Meta-Analyse<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aussagekr\u00e4ftig ist eine 2024 ver\u00f6ffentlichte Meta-Analyse zur Emotionsfokussierten Paartherapie (EFT), einem der am besten erforschten Verfahren \u00fcberhaupt. Die Forschenden werteten 20 Studien mit insgesamt 332 Paaren aus und kamen zu folgenden Ergebnissen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>70 Prozent<\/strong> der Paare waren am Ende der Therapie <strong>frei von den urspr\u00fcnglichen Symptomen der Beziehungsbelastung<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li>Der gemessene Effekt zwischen Beginn und Ende der Therapie war gro\u00df (d = 0,93), ein Wert, der in der Psychotherapieforschung als sehr deutlich gilt.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch im Vergleich zu anderen anerkannten Therapieverfahren blieb EFT \u00fcberlegen (d = 0,44).<\/li>\n\n\n\n<li>Die Verbesserungen hielten in Nachuntersuchungen <strong>bis zu zwei Jahre nach Therapieende stabil<\/strong> an (d = 0,86).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet f\u00fcr Paare in der Praxis: Es handelt sich nicht um einen kurzfristigen Effekt, der nach wenigen Monaten wieder verpufft, sondern um eine Ver\u00e4nderung, die auch im Alltag weiter anh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1210\" height=\"390\" src=\"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/haende-formen-herz-paartherapie.jpg\" alt=\"H\u00e4nde formen ein Herz\" class=\"wp-image-467\" srcset=\"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/haende-formen-herz-paartherapie.jpg 1210w, https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/haende-formen-herz-paartherapie-300x97.jpg 300w, https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/haende-formen-herz-paartherapie-1024x330.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1210px) 100vw, 1210px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Warum die Methode einen Unterschied macht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede Form von Paartherapie wirkt bei jedem Anliegen gleich gut. Eine systematische \u00dcbersichtsarbeit zur &#8222;Acceptance-and-Commitment-Therapie&#8220; (ACT) bei Paaren, die 17 randomisiert-kontrollierte Studien auswertete, zeigt das deutlich. ACT half nachweislich bei Themen wie Kommunikationsf\u00e4higkeiten, Beziehungszufriedenheit, psychischem Wohlbefinden und emotionaler N\u00e4he. Bei Beziehungsburnout und akuten Konflikten dagegen lie\u00df sich kein signifikanter Effekt nachweisen. Die <strong>Wahl der Methode sollte sich also am konkreten Anliegen des Paares orientieren<\/strong>, nicht an der Bekanntheit eines Verfahrens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch internationale Studien au\u00dferhalb des westlichen Forschungsraums best\u00e4tigen den Trend. Eine iranische Untersuchung an Paaren, die bereits eine Scheidung in Erw\u00e4gung zogen, verglich unterschiedliche Therapieans\u00e4tze und fand messbare Verbesserungen bei Intimit\u00e4t und Familienfunktionalit\u00e4t, allerdings mit deutlichen Unterschieden je nach eingesetzter Methode. Das unterstreicht noch einmal: Paartherapie ist kein Verfahren mit Einheitswirkung, sondern muss zum Paar und zur Problemlage passen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Wann Paartherapie nicht gut greift<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So klar die Zahlen f\u00fcr die Wirksamkeit von Paartherapie sprechen, so wichtig ist der ehrliche Blick auf ihre Grenzen. Die aktuelle Forschung nennt mehrere Faktoren, die den Erfolg deutlich schm\u00e4lern k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Zu sp\u00e4ter Beginn.<\/strong> Paare warten im Durchschnitt Jahre, bevor sie sich Hilfe suchen, oft erst dann, wenn <a href=\"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/toxische-beziehungen-definition-und-therapie\/\" data-type=\"post\" data-id=\"116\">destruktive Muster<\/a> bereits tief eingeschliffen sind. Je l\u00e4nger eine Beziehung unbearbeitet belastet bleibt, desto schwerer l\u00e4sst sich gegensteuern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fehlende beidseitige Motivation.<\/strong> Wirkt nur eine Person aktiv an Ver\u00e4nderung mit, sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich. Paartherapie ist kein Verfahren, das an einer Person allein ansetzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bereits gefallene Trennungsentscheidung.<\/strong> Ist die Entscheidung zur Trennung innerlich l\u00e4ngst getroffen, verschiebt sich das sinnvolle Ziel der Therapie von Beziehungsaufbau hin zu einer fairen, konstruktiven Trennungsbegleitung. Beides zu vermischen, f\u00fchrt selten zum gew\u00fcnschten Ergebnis.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Unbehandelte Sucht- oder Gewaltdynamiken.<\/strong> Aktive Suchterkrankungen oder Gewalt in der Beziehung erfordern in der Regel zun\u00e4chst eigenst\u00e4ndige, spezialisierte Behandlung, bevor klassische Paartherapie sinnvoll ansetzen kann.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Methode passt nicht zum Anliegen.<\/strong> Wie die ACT-\u00dcbersichtsarbeit zeigt, wirkt nicht jeder Ansatz bei jedem Thema gleich gut. Eine unpassende Methodenwahl kann echte Fortschritte verhindern, obwohl das Paar grunds\u00e4tzlich ver\u00e4nderungsbereit ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fehlende Ehrlichkeit und Transparenz.<\/strong> Wenn nicht offen und ehrlich \u00fcber die tats\u00e4chlichen Probleme im Beratungsraum gesprochen wird, k\u00f6nnen nicht die echten Ursachen bek\u00e4mpft werden. Vors\u00e4tzliches L\u00fcgen beeintr\u00e4chtigt den Therapieverlauf massiv, zementiert alte Muster und blockiert Fortschritte.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fehlende Passung zwischen Paar und Therapeut*in.<\/strong> Auch die therapeutische Beziehung selbst spielt eine Rolle. F\u00fchlen sich die Partner*innen bei der behandelnden Person nicht gut aufgehoben, leidet die Wirksamkeit unabh\u00e4ngig von der gew\u00e4hlten Methode.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paartherapie ist damit kein Garant f\u00fcr die &#8222;Rettung&#8220; der Beziehung. Sie ist eine der wirksamsten Interventionen, die die Psychotherapieforschung kennt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wer sich die Frage \u201eBringt das bei uns \u00fcberhaupt was?&#8220; stellt, findet in den aktuellen Zahlen eine klare, aber differenzierte Antwort: Die Chancen stehen gut, vorausgesetzt alle Beteiligten bringen sich ein und der Zeitpunkt ist nicht zu sp\u00e4t gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.jcbs.2024.100867\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Acceptance and commitment therapy for couples: A systematic review and meta-analysis<\/a> (2025)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doi\/10.1037\/cfp0000233\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doi\/10.1037\/cfp0000233\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">A comprehensive meta-analysis on the efficacy of emotionally focused couple therapy<\/a> (2024)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/famp.12824\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/famp.12824\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Couple therapy in the 2020s: Current status and emerging developments<\/a> (2022)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/jrh.gmu.ac.ir\/article-1-2035-en.html\" data-type=\"link\" data-id=\"http:\/\/jrh.gmu.ac.ir\/article-1-2035-en.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Effectiveness of Acceptance and Commitment Therapy and Integrated Behavioral Couples Therapy on Intimacy and Family Functioning in Divorce-seeking Couples<\/a> (2022)<\/li>\n\n\n\n<li>Fotos: Tima Miroshnichenko (Pexels), Kristina Litvjak (Unsplash)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Beginn einer Therapie fragen sich viele Menschen &#8222;Bringt Paartherapie \u00fcberhaupt was?&#8220; Die Antwort aus Studien ist eindeutig und klar: Ja. Was genau das bedeutet und wann Paartherapie nicht gut greifen kann, beschreibt dieser Artikel.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":672,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[17,15,29,12,16,13],"class_list":["post-647","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-forschung","tag-effektivitaet","tag-forschung","tag-paarberatung","tag-paartherapie","tag-wirksamkeit","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=647"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/647\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":675,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/647\/revisions\/675"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media\/672"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}