{"id":627,"date":"2026-06-30T11:41:56","date_gmt":"2026-06-30T09:41:56","guid":{"rendered":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/?p=627"},"modified":"2026-06-30T11:41:57","modified_gmt":"2026-06-30T09:41:57","slug":"umgang-mit-unloesbaren-problemen-in-partnerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/umgang-mit-unloesbaren-problemen-in-partnerschaft\/","title":{"rendered":"Unl\u00f6sbare Probleme in der Partnerschaft: Wie Paare mit Dauer-Konflikten umgehen"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Partnerschaftskonflikte verstehen: Warum manche Probleme immer wiederkehren<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beziehungskrisen, Dauerstreits, immer wieder aufkeimende Konflikte: Es gibt Beziehungen, die vor unl\u00f6sbaren Problemen zu stehen scheinen und unklar ist, wie die Partner*innen damit umgehen k\u00f6nnen. Der einzige Ausweg? Die Trennung. Doch das muss nicht unbedingt die einzige L\u00f6sung sein. Laut popul\u00e4ren Forschungsergebnissen sind sogar die meisten der Beziehungskonflikte unl\u00f6sbar. Die Frage ist dann, wie k\u00f6nnen Paare oder andere Beziehungsmodelle einen entspannteren Umgang damit finden?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Was genau sind eigentlich unl\u00f6sbare Probleme?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Paarforschung beschreibt einen gro\u00dfen Teil der Alltagskonflikte als sogenannte Dauer- oder Grundkonflikte, die mit Pers\u00f6nlichkeit, Werten oder Lebensstil zusammenh\u00e4ngen. Typische Beispiele daf\u00fcr sind Ordnung im Haushalt, Geld, N\u00e4he und Distanz, Sexualit\u00e4t, Familie oder Erziehung. In solchen Themen helfen oft keine perfekten Argumente, sondern es geht um wiederkehrende Aushandlung, emotionale Sicherheit und klare Regeln f\u00fcr den Umgang damit. In popul\u00e4ren Zusammenfassungen wird oft davon gesprochen, dass ganze 69 Prozent der Probleme in Beziehungen als unl\u00f6sbar gilt. Wobei diese Zahl vor allem als grobe Orientierung aus der Gottman-Tradition zu verstehen ist und nicht als festgesetzter Wert. Wir wollen in der <a href=\"https:\/\/www.paartherapie-herrmann-schwarz.de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.paartherapie-herrmann-schwarz.de\">Paartherapie<\/a> mit folgender Haltung darauf blicken: <strong>Unl\u00f6sbar hei\u00dft nicht hoffnungslos, sondern meist nicht endg\u00fcltig aufhebbar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Unl\u00f6sbare Partnerschaftskonflikte im Relationship Problem Solving (RePS) Modell<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen spannenden Einblick in anhaltenden Krisen und die darunterliegenden psychologischen Mechanismen liefert das Paper von Baker und McNulty aus dem Jahr 2019. Sie entwickelten ein Modell, das beschreiben soll, wie Partner*innen sich gegenseitig bei der L\u00f6sungsfindung von Konflikten beeinflussen. Das Paper sagt im Kern: Konfliktmanagement bei Paaren funktioniert am besten als mehrstufiger Prozess aus Problem erkennen, L\u00f6sungsstrategie finden, umsetzen und anschlie\u00dfend neu bewerten. Entscheidend ist dabei nicht nur <em>was<\/em> Partner*innen tun, sondern <em>wann<\/em> und <em>unter welchen Bedingungen<\/em> sie es tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wichtige Kernaussagen im \u00dcberblick:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Beziehungskonflikte sind normal<\/strong>, weil Paare interdependent sind und sich gegenseitig beeinflussen. Das Problem ist daher oft nicht der Konflikt an sich, sondern wie Paare darauf reagieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Konfliktverhalten wirkt nicht direkt<\/strong>, sondern \u00fcber innere Prozesse wie Affekt, Selbstwirksamkeit, Wissen, <a href=\"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wie-glaubenssaetze-beziehungen-beeinflussen\/\" data-type=\"post\" data-id=\"475\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beziehungs\u00fcberzeugungen<\/a> und Selbstregulation.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Dieselbe Strategie kann helfen oder schaden, je nach Kontext<\/strong> &#8211; etwa ob ein*e Partner*in schon motiviert ist, ob beide sich \u00fcber das Problem einig sind und wie viel Macht bzw. Einfluss die Beteiligten haben.<\/li>\n\n\n\n<li>Bei unklaren oder schlecht l\u00f6sbaren Problemen ist es oft sinnvoller, das <strong>Problem zu managen<\/strong> statt es vollst\u00e4ndig beseitigen zu wollen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1210\" height=\"390\" src=\"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/akzeptanz.jpg\" alt=\"Blume in Hand\" class=\"wp-image-642\" srcset=\"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/akzeptanz.jpg 1210w, https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/akzeptanz-300x97.jpg 300w, https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/akzeptanz-1024x330.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1210px) 100vw, 1210px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading major\">Was hilft bei der Kl\u00e4rung?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfreich ist zuerst die Unterscheidung zwischen l\u00f6sbaren Problemen und Dauerproblemen. Wie schauen wir als Paar auf den Konflikt? Worum geht es hier zun\u00e4chst rein sachlich gesehen? L\u00f6sbare Probleme brauchen konkrete Absprachen. Das kann zum Beispiel etwas Simples sein wie: Wer geht wann morgens ins Bad, ohne dass man sich in die Quere kommt. Dauerprobleme brauchen eher Akzeptanz, gemeinsames Verst\u00e4ndnis und regelm\u00e4\u00dfige Neuverhandlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In der Praxis k\u00f6nnen folgende Schritte hilfreich sein:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Den typischen Konfliktzyklus erkennen: Wer zieht sich eher zur\u00fcck, wer dr\u00e4ngt eher nach?<\/li>\n\n\n\n<li>Gef\u00fchle unter der Oberfl\u00e4che benennen, also nicht nur \u00c4rger, sondern auch Angst, Verletzung oder Scham ansprechen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich-Botschaften und konkrete W\u00fcnsche verwenden statt Vorw\u00fcrfe.<\/li>\n\n\n\n<li>Pausen vereinbaren, bevor Streit eskaliert, und das Gespr\u00e4ch verbindlich sp\u00e4ter fortsetzen.<\/li>\n\n\n\n<li>Alltagsrituale pflegen, die N\u00e4he stabilisieren, etwa feste gemeinsame Zeiten.<\/li>\n\n\n\n<li>Versuchen, den gr\u00f6\u00dften <em>gemeinsamen Nutzen einer L\u00f6sung<\/em> zu finden, ohne dabei Partner*innen &#8222;umdrehen&#8220; zu m\u00fcssen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die unl\u00f6sbaren Themen ist die wichtigste Konsequenz, sich nicht auf vollst\u00e4ndige Einigung zu versteifen, sondern auf diese drei Dinge zu konzentrieren: <strong>1) das Problem gemeinsam wirklich korrekt verstehen, 2) die emotionalen Kosten senken und 3) eine tragf\u00e4hige Umgangsform aushandeln<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei unl\u00f6sbaren Konflikten ist es meist hilfreich, die Differenz offen zu benennen, statt sie wegzudiskutieren. Es geht nicht darum wer recht hat, sondern um \u201eWas brauchen wir jeweils?\u201c L\u00f6sungen werden vorerst als ein Experiment behandelt, \u00fcberpr\u00fcft und wieder angepasst bei Unstimmigkeiten. Paare m\u00fcssen Akzeptanz lernen: Manchmal ist das Ziel nicht L\u00f6sung, sondern bessere Koexistenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Studien von Kieslich und Steins zeigt sich, dass Problemkl\u00e4rung in langj\u00e4hrigen Paaren dann besser gelingt, wenn Paare nicht nur \u00fcber Inhalte sprechen, sondern auch <strong>emotionale Sicherheit, Selbst\u00f6ffnung und Perspektivwechsel<\/strong> aufbauen. Eine Problemkl\u00e4rung wurde m\u00f6glich, wenn beide Partner*innen ihre Gedanken und Gef\u00fchle gegenseitig offenlegten und sich die Perspektive der*des anderen besser erschlossen. Dazu ist ein sicherer Rahmen n\u00f6tig, den zum Beispiel auch <a href=\"https:\/\/www.paartherapie-herrmann-schwarz.de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.paartherapie-herrmann-schwarz.de\">Paartherapie<\/a> herstellen kann. Hier gibt es den Raum daf\u00fcr, sich gegenseitig zu fragen: Was m\u00fcssen wir wirklich l\u00f6sen, und was m\u00fcssen wir eher aushalten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.gottman.com\/blog\/managing-vs-resolving-conflict-relationships\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.gottman.com\/blog\/managing-vs-resolving-conflict-relationships\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Managing vs. Resolving Conflict in Relationships<\/a> (2024)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3389\/fpsyg.2022.866580\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/doi.org\/10.3389\/fpsyg.2022.866580\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Long-term couple relationships &#8211; stress, problems and coping processes in couple counseling<\/a> (2022)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1088868319881243\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1088868319881243\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">The Relationship Problem Solving (RePS) Model<\/a> (2019)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/01926180390223950\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/01926180390223950\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Problems That Couples Bring To Therapy<\/a> (2012)<\/li>\n\n\n\n<li>Fotos: Liza Summer, Alan Cabello (Pexels)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dauerstreits und immer wieder aufkeimende Konflikte: Es gibt Beziehungen, die vor unl\u00f6sbaren Problemen stehen. Die Frage ist dann, wie k\u00f6nnen Paare oder andere Beziehungsmodelle einen entspannteren Umgang damit finden? Hilft hier nur Auseinandergehen oder doch eher Verst\u00e4ndnis und Akzeptanz?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":636,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,6],"tags":[97,96,32],"class_list":["post-627","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeines","category-trennung","tag-beziehungsstress","tag-konflikte","tag-toxische-beziehung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=627"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":644,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/627\/revisions\/644"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media\/636"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/paartherapie-herrmann-schwarz.de\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}